ZukunftsForum Personal

Am 6. /7. Oktober 2011 fand in München das 3. Zukunftsforum Personal 2011 mit dem Titel: "Transformation radikal: Social Contract 1.0, Enterprise 2.0, People XY. HR 3.0?" statt.



Der Kongress schloss mit folgenden Thesen:

Social Contract 1.0

1. Shareholder Value-Steuerung alleine führt in die Irre. Unternehmen als gesellschaftliche Akteure und Nutznießer sind gefordert, Bürgerpflichten zu erfüllen sowie auf gesellschaftliche Anforderungen adäquat zu antworten.

2. Ob aus Regulierungsangst oder aus selbstgesetzter Moral: Unternehmen müssen für wichtige gesellschaftliche Anliegen wie Menschenrechte, Bildung, Migration, Armutsbekämpfung, Gesundheit, Chancenfairness proaktiv Verträge und Bündnisse mit Politik und Zivilgesellschaft schließen.
 
3. Den Verwerfungen durch Globalisierung, Staatsrückzug und Wirtschaftverfehlungen müssen Unternehmen durch crossnationale, nachhaltige und wertebasierte Unternehmensverfassungen begegnen.  

Enterprise 2.0

1. Die Herausforderungen liegen primär in der Identifikation und Umsetzung eines neuen Unternehmensselbstverständnisses und weniger in der Anwendung neuer Technologien und Instrumente.

2. Bestehende Machtstrukturen in Unternehmen und die seit Jahrzehnten erprobten Rezepte der Attrahierung, Bindung, Entwicklung und Beförderung von Personal sowie die Art der Führung werden radikal in Frage gestellt.

3. Die Transformation der Unternehmensstrukturen von reiner Hierarchie- hin zu Netzwerkorientierung ist zentrale Herausforderung in diesem Kontext. Die Bedeutung von Akteuren hängt immer weniger von Ihrem Status, sondern zunehmend von der Attraktivität ihres Beitrages ab.

PEOPLE X.Y.

1. Menschen wollen mehr Souveränität, Eigenverantwortung und Teilhabe. Dazu gehören flexible Arbeitsmodelle, schnelle Entscheidungswege, gesunde Arbeitskultur, Geld verdienen und Wohlfühlen sowie direkte und persönliche Mitbestimmung.
 
2. „People X.Y.“ ist Vielfalt. Ohne eine Politik der Vielfalt werden Unternehmen weder die notwendigen Talentquellen erschließen noch die Komplexität des Umfeldes meistern können.
 
3. Die Förderung der individuellen Begabung und die Fokussierung auf Stärken statt dem heute gängigen Defizitansatz stehen im Vordergrund. Talent ist überall.

 

Randolf Jessl vom Personalmagazin schrieb zum 3. ZukunftsForums Personal 2011:

Mehr Demokratie im Unternehmen wagen und selbst das reparieren, was andere beschädigt haben: Das war die Botschaft vom 3. Zukunftsforum Personal der HR Alliance in München. 350 Teilnehmer hatten zwei Tage lang unter dem Motto "Transformation radikal" im HVB Forum über den Gesellschaftsvertrag sowie die Personal- und Unternehmensstruktur der Zukunft debattiert.

Als "zunehmend radikal" outete sich Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, wenn es darum geht, verlorene Reputation im Management wiederzugewinnen. "Führungskräfte sollten gewählt werden", forderte der Grandseigneur im HR Alliance-Vorstand. Die Vorlage dazu hatte Keynote-Speakerin Gesine Schwan gegeben. "Auch Unternehmen brauchen eine Kultur der Kommunikation und Partizipation", sagte die Politikwissenschaftlerin von der Viadrina Universität in Frankfurt/Oder. Gemeinwohl und Nachhaltigkeit seien in einer immer komplexer werdenden Welt nur durch ausgehandelte Verträge sicherzustellen.

Enterprise 2.0 ist keine Frage der Technologie

Wenngleich neue Technologien (Social Media, Collaboration Tools) zwar Demokratisierungsprozesse im Unternehmen beförderten, könnten sie diese nicht hervorbringen. "Es geht im Enterprise 2.0 zuallererst um Kultur und Werte", stellte Gero Hesse klar, der im Vorstand der HR Alliance die Personalmarketing-Vereinigung Queb repräsentiert. Das mittlerweile einigermaßen weit verbreitete Instrument der Mitarbeiterbefragung sei bestenfalls der Anfang einer Entwicklung dorthin, schlimmstenfalls ein reines Feigenblatt für ausbleibende Demokratisierungsbemühungen, ergänzte Oliver Maassen, ebenfalls Vorstandsmitglied der HR Alliance.

Doch was im Unternehmen zusammenwachsen soll, driftet in der Gesellschaft auseinander. Bildungsferne Schichten finden keinen Anschluss an die Arbeitswelt, das Bildungssystem setzt auf Elitenbildung und Uniformität, die Leistungsgesellschaft tappt in die Erschöpfungsfalle. "Reparieren Sie, was Sie beschädigt haben", provozierte Professorin Jutta Allmendinger, Sozialforscherin in Berlin, mit Blick auf Versäumnisse bei der Frauenförderung, bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Inklusion von Benachteiligten.

Wenngleich sich die Versammelten zu Recht nicht an der Wurzel aller Übel sehen wollten, zeigte sich das Forum entschlossen, den sozialpolitischen Auftrag als "Corporate Citizen" wahrzunehmen. "Wir dürfen nicht klagen, dass wir Reparaturbetrieb sind. Wir müssen es angesichts der Herausforderungen einfach sein", konkretisierte Sattelberger.

Rührende Geständnisse von Lauer, Dammann und Sattelberger

Bei allem Aufruhr: Auch vergnügliche und rührende Momente hatte die Veranstaltung bereit. So erntete Jutta Allmendinger Beifall und Lachen, als sie die Begriffe aus dem Kongressmotto "Social Contract 1.0, Enterprise 2.0, People X.Y" aufs Korn nahm. "Da sage noch einer, die Wissenschaft würde unverständlich formulieren!"

In der Abschlussrunde gestand wiederum der Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer seine therapiebedürftige Flugangst ein und Thomas Sattelberger seine Zuneigung und Wertschätzung für Dr. Angelika Dammann, die ihr Vorstandsamt bei SAP hingeworfen hatte und den Schritt im Abschlusspodium verteidigte. "Wer Profil hat, bietet Angriffsflächen", sagte die Ex-Personalchefin. Das könnte auch für das Zukunftsforum als Ganzes gelten: Denn vereinzelt kritisierten Besucher, dass man sich doch zu sehr in philosophische Höhen verloren hätte. Andere meinten, genau dafür seien sie gekommen.
(www.haufe.de)

Frühere ZukunftsForen Personal:

Nach dem erfolgreichen 1. ZukunftsForums Personal 2007 fand im Septemter 2009 das 2. ZukunftsForum Personal 2009 mit großem Erfolg und über 400 Teilnehmern an der Münchener IHK statt. Das Thema lautete: "Zwischen Wissensavantgarde und Prekariat - Herausforderungen für das System Arbeit am Standort Deutschland".

Der Kongress 2009 schloss mit einer Erklärung, die in der Fachpresse bereits als "Münchner Appell" bezeichnet wird, ab. Zwei Tage lang beschäftigten sich Teilnehmer und Redner aus ganz unterschiedlichen Branchen und Unternehmensebenen mit aktuellen Themen rund um strategische und innovative Konzepte im Human Resource Management. Als Abschluss wurden stellvertretend für alle Teilnehmer die nachstehenden Punkte formuliert:

Unsere Überzeugung:
Wir fördern Talente – auch da wo sie keiner vermutet.
Unsere Forderung:
Das Schulsystem muss in allen seinen Elementen der Entwicklung von Potentialen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft dienen und seine Durchlässigkeit daran ausrichten.
Unsere Verpflichtung:
Die Teilnehmer des 2. ZukunftsForum Personal verpflichten sich, in ihrem beruflichen Umfeld eine Initiative zu unterstützen bzw. ins Leben zu rufen, die die soziale Mobilität fördert, insbesondere von jungen Menschen in Hauptschulen und mit Migrationshintergrund.



Wenn Sie mehr Informationen möchten, lesen Sie weiter auf der Seite des ZukunftsForum Personal.

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